Deutsch

Erweitertes Verständnis von Lesen und Schreiben
Durch die Kompetenzen zum Lesen und Schreiben wird unter anderem Teilhabe zum gesellschaftlichen und kulturellen Leben, sowie Selbstbestimmung ermöglicht. Bei einem erweiterten Verständnis von Lesen und Schreiben werden alle zur Verfügung stehenden Strategien zum Lesen und Schreiben einbezogen. Dies beinhaltet beispielsweise das Lesen von Symbolen oder das Hinterlassen von Spuren und Kritzeln.

Förderung schriftsprachlicher Kompetenzen
Beim Deutschunterricht wird eine Verschränkung von Fachwissenschaft, Fachdidaktik und Sonderpädagogik angestrebt. Orientiert an den regulären Erwerbsprozessen werden individuumsbezogene Besonderheiten bei der Ausgestaltung von individuellen Bildungsangeboten berücksichtigt.
 

Deutschunterricht für Alle – Emergent Literacy
Wir gehen davon aus, dass sich die Auseinandersetzung mit Schriftsprache bei Kindern und Jugendlichen mit kognitiven Beeinträchtigungen analog entwickelt, jedoch im Tempo der individuellen Entwicklungsmöglichkeiten. Die Fähigkeiten „Sprechen/Kommunikation“, „Zuhören/ Verstehen“, „Lesen“ und „Schreiben“ entwickeln sich gleichzeitig und beeinflussen sich gegenseitig. Das heißt,
es gibt keine Stufen, die überwunden werden müssen, um am Deutschunterricht teilnehmen zu können. Deshalb werden allen Schüler*innen voraussetzungslos Angebote zum Schriftspracherwerb gemacht. Es geht dabei um frühe schriftsprachliche Fähigkeiten und frühes Wissen über Schrift, die in die Entwicklung des konventionellen Lesens und Schreibens münden. Dazu gehören zum Beispiel Kritzeln, so-tun-als-ob Lesen, Blättern, die Erfahrung, dass Schrift Bedeutung hat usw..
 

Die Grundprinzipien unserer Arbeit nach dem Emergent Literacy-Ansatz sind:

  • Alle sind Kandidat*innen für den Deutschunterricht.
  • Es werden täglich bedeutungsvolle Angebote gemacht. Von Seiten der Schüler*innen sind keine Voraussetzungen zu erfüllen.
  • Den Schüler*innen wird viel Vorschussvertrauen entgegengebracht.
  • Der Fokus liegt auf Schrift.


Das bedeutet für die Umsetzung in der Praxis, dass Angebote gemacht werden, die die „Prozesse der Bewusstwerdung“ unterstützen:
Beim gemeinsamen Lesen werden Momente der Aufmerksamkeit geschaffen (auf das Buch, eine Abbildung oder die Bezugsperson), die Schüler*innen nehmen Einfluss, indem sie selbst blättern oder das Zeichen dazu geben und es finden Gespräche zu den gelesenen Seiten statt. Oft wird dasselbe Buch immer und immer wieder gelesen. Dadurch wird ein Rahmen geschaffen, indem die Schüler*innen zunehmend selbst aktiv werden können.


Beim eigenständigen Lesen während der Lesezeit haben die Schüler*innen Gelegenheit Bücher, Zeitschriften und Prospekte auszuwählen, anzuschauen, durchzublättern oder anderweitig zu erkunden.

Beim selbstständigen Schreiben machen die Schüler*innen die Erfahrung, beim Kritzeln Spuren zu hinterlassen. Dabei werden ihnen verschiedene Schreibwerkzeuge zur Verfügung gestellt, ggf. auch Alternativen. So entwickeln sie die Kompetenz die kommunikative Funktion von Spuren wahrzunehmen. Zum Beispiel, wenn sie jeden Tag auf der Anwesenheitsliste unterschreiben oder ein
Tagebuch führen. Dabei stehen den Schüler*innen von Anfang an alle Buchstaben zur Verfügung. (vgl. Sachse/ Bernasconi)

Literaturunterricht an unserer Schule: Vielfalt, Kreativität und Teilhabe

An unserer Schule legen wir großen Wert darauf, dass unsere Schüler*innen in die vielfältigen Welten der Literatur eintauchen können. Dabei stehen das Erzählen, Lesen und Theaterspielen im Mittelpunkt.


Individuelle Zugänge zur Literatur
Wir ermöglichen unseren Schüler*innen individuelle Zugänge zur Literatur, die sich an ihren persönlichen Interessen und Fähigkeiten orientieren. Büchereibesuche, Lesekreise, Hörbücher oder Theaterprojekte sind feste Bestandteile unseres Schulalltags. In eigens gestalteten Leseecken, unserer Schülerbücherei oder mithilfe von Vorlesegeräten wie TipToi, dem Kamishibai und multimedialen Angeboten können die Kinder ihre Lieblingsbücher entdecken.
 

Theater als Schlüssel zur Persönlichkeitsbildung
Das Theaterspiel ist ein fester Bestandteil des Schulalltags. Ob beim Nachspielen von Geschichten oder mithilfe von Schattentheater, Schwarzlichttheater und Spielfiguren erwecken unsere Schüler*innen Geschichten zum Leben.
 

Kreativität und praktische Umsetzung
Wir arbeiten mit einer Vielzahl von Unterrichtsinhalten und kreativen Methoden, um Literatur erlebbar zu machen. Dazu gehören Schoßreiterspiele, Spiellieder oder Rap, Märchenbücher, Gedichte, Comics, Zeitungsartikel, und vieles mehr.


Einbindung moderner Medien und Freizeitinteressen
Neben klassischen Texten beziehen wir auch moderne Medien mit ein. Hörbücher, digitale Texte und multimediale Projekte bereichern unseren Unterricht und fördern die Medienkompetenz der Kinder.

Deutsch als Zweitsprache

Inzwischen ist es Normalität geworden, dass Schüler*innen mit mehreren Sprachen aufwachsen. Unser Ziel ist es, im Schulalltag die Familiensprachen zu berücksichtigen und die Familien bei der Gestaltung von Interventionsmaßnahmen und Bildungsangeboten einzubeziehen. Im Alltag werden alle sprachlichen Ressourcen der Kinder und Jugendlichen einbezogen und genutzt, um eine
gelingende Alltagskommunikation zu gestalten. Dieses Vorgehen bildet sich auch in der Diagnostik und bei der Planung von individuellen Bildungsangeboten ab. Beispielsweise durch die Bereitstellung mehrsprachiger Kommunikationshilfen und die Gestaltung eines sprachsensiblen Unterrichts.

Unterrichtsprinzipien

· Motivation und Freude wecken: Der Deutschunterricht soll Freude und Motivation zur Kommunikation, zum Sprechen, Lesen und Schreiben fördern.
· Sprachhandelnd aktiv werden: Schüler*innen sollen aktiv und handlungsorientiert mit Sprache umgehen und die Sinnhaftigkeit von Sprache erkennen
· Stärkung von Lebensfreude und Selbstvertrauen: Der Unterricht soll das Selbstvertrauen der Schüler*innen stärken. Eine wertschätzende Haltung gegenüber schriftsprachlichen Erzeugnissen ist eine Grundvoraussetzung (z.B. Kritzeln oder Skelettschreibweise zulassen).
· Vielfältige sprachliche Einbindung: Alle Schüler*innen sollen in ein Umfeld aus verbaler Sprache, Gebärden, Ikonografie und Schrift eingebunden werden. Schüler*innen, die keine Lautsprache verwenden können, werden durch unterstützte Kommunikation (elektronische und nicht-elektronische Hilfsmittel) unterstützt.
· Individuelle Unterrichtsgestaltung: Der Unterricht wird entsprechend der individuellen Lernmöglichkeiten der Schüler*innen gestaltet und an deren individuellen Bedürfnisse und Ziele angepasst. Frühere Erfahrungen und der bisherige Spracherwerb der einzelnen Schüler*innen werden in die Unterrichtsgestaltung einbezogen.
· Lehrkräfte als sprachliches Vorbild: Lehrkräfte agieren als sprachliche Vorbilder und fördern die Sprachentwicklung der Schüler*innen.
· Vielfältige Zugänge zur Literatur: Der Unterricht bietet verschiedene Zugänge zur Literatur, unter anderem durch handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterricht oder basales Theater.
· Hochfrequentes Üben: Um zu einer Automatisierung zu gelangen, üben die Schüler*innen täglich im Lernband.