Bodelschwinghschule Stuttgart

Berufsschulstufe

Leitgedanken

Schülerinnen und Schüler der Berufsschulstufe sind junge Erwachsene, die…

  • … eigene Standpunkte finden und vertreten.
  • … eine neue Rolle als unabhängige Mitglieder der Gesellschaft finden und leben.
  •  … lernen, möglichst selbstständig zu wohnen und sich selbst zu versorgen.
  •  … lernen, sich möglichst selbstständig, sicher und angemessen in bekannter und fremder Umgebung zu bewegen.
  •  … Freundschaften / Beziehungen aufbauen und pflegen.
  •  … Freizeitangebote kennen und nutzen.
  •  … Schlüsselkompetenzen für Arbeit erwerben.
  •  … eine Perspektive für ihre berufliche Zukunft entwickeln.

 

Schülerinnen und Schüler in der Berufsschulstufe

Die Schülerinnen und Schüler der Berufsschulstufe sind in der Regel zwischen 15 und 19 Jahren alt. Sie kommen aus der Hauptstufe der Bodelschwinghschule oder aus umliegenden SBBZen und werden in die bestehenden Klassen integriert.


Gemeinsam ist aber allen Schülerinnen und Schüler der Berufsschulstufe, dass sie sich am Übergang zum Erwachsenwerden befinden. Diese Entwicklungsphase ist geprägt durch die intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Person, den persönlichen Fähigkeiten und Grenzen, veränderten Interessen, sowie dem Streben nach Autonomie. Ein Schwerpunkt des Unterrichts in der Berufsschulstufe ist es daher, gemeinsam mit den jeweiligen Schülerinnen und Schüler eine konkrete Zukunftsvorstellung vor allem im beruflichen und auch im privaten Bereich zu entwickeln.


Die Berufsschulstufe zeichnet sich durch altersheterogene Klassen aus, die durch Unterschiede in den individuellen Lebenserfahrungen, den kognitiven Fähigkeiten und den persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten gekennzeichnet sind.

 

Bildungsschwerpunkte in der Berufsschulstufe

Bildungsschwerpunkt Selbstversorgung

Viele Schülerinnen und Schüler der Berufsschulstufe sind im Bereich Körperpflege und Hygiene weitestgehend selbstständig und haben ein Bewusstsein für ihr äußeres Erscheinungsbild entwickelt. Für einzelne Schülerinnen und Schüler besteht dennoch die Möglichkeit zum Beispiel beim wöchentlichen Schwimmbadbesuch, in der Trainingswohnung oder im Schullandheim, Kompetenzen wie das An- und Ausziehen, die Auswahl von Kleidung entsprechend Anlass und Wetter, der Körperpflege usw. zu festigen.
In der Berufsschulstufe wird der Übergang in die Berufswelt vorbereitet, deshalb findet das Mittagessen in Kantinenform statt. Dabei sind die Schülerinnen und Schüler für die Essensausgabe verantwortlich und üben den Umgang mit einem Tablett. Darüber hinaus können die Schülerinnen und Schüler im Schullandheim sowie in der Trainingswohnung bei der Verpflegung mitbestimmen und richten sich auch ihre Pausenvesper selbst.
Auch in der Berufsschulstufe üben einzelne Schülerinnen und Schüler das selbständige Einkaufen ohne Begleitung. Für das selbständige Einkaufen ist das Einverständnis der Eltern erforderlich. Bei der Planung, den Vorbereitungen sowie Auf- und Abbauarbeiten von Veranstaltungen sind Schülerinnen und Schüler der Berufsschulstufe möglichst umfassend beteiligt und bringen sich mit ein. Dabei werden beispielsweise handwerkliches Können und Teamfähigkeit gefördert.
Mit dem Erwachsenwerden, wird der Terminplan der Schülerinnen und Schüler komplexer. Für die Planung und Einhaltung der Termine sind die Schülerinnen und Schüler mitverantwortlich. Dies betrifft unter anderem Vorbereitungen für Veranstaltungen und das zeitgenaue Nutzen von öffentlichen Verkehrsmitteln, z. B. während eines Praktikums oder bei Terminen in ihrer Freizeit.


Bildungsschwerpunkt Arbeit
Die Unterrichtsinhalte in der Berufsschulstufe orientieren sich verstärkt an den
Arbeitsbereichen und Anforderungen der Werkstätten für Menschen mit Behinderung und auf dem ersten Arbeitsmarkt. Die Schülerinnen und Schüler erproben sich innerhalb der dreimal wöchentlich angebotenen verschiedenen Praxisgruppen in vielen verschiedenen Arbeitstechniken und erlangen so u.a. weiterführende Kompetenzen in handwerklichen und sozialen Bereichen. Außerdem ist für einzelne Schülerinnen und Schüler die wöchentliche Mitarbeit bei der Schülerfirma „Projekt Arbeit“ möglich.
Im jährlich einmal stattfindenden Praktikum in den Werkstätten für Menschen mit Behinderung sowie in möglichen Praktika in den Betrieben des ersten Arbeitsmarktes vor Ort erleben die Schülerinnen und Schüler die Arbeitswelt außerhalb der Schule.
Insgesamt werden die für einen Arbeitsplatz wichtigen Schlüsselqualifikationen wie z.B. Arbeitshaltung, Pünktlichkeit, Ausdauer, Zuverlässigkeit erweitert und gesichert. Zudem haben die Schülerinnen und Schüler auf diese Weise die Möglichkeit, sich ihrer Fähigkeiten, Vorlieben oder Abneigungen bewusst zu werden und sich am Ende der Berufsschulstufenzeit gezielt für eine nachschulische bzw. weiterführende Einrichtung zu entscheiden.
Ein weiterführendes Angebot für einzelne Schülerinnen und Schüler der Berufsschulstufe sind die schulübergreifenden Berufsvorbereitenden Einrichtungen (BVE) und die Klassen zur Kooperativen Bildung und Vorbereitung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt (KoBV).


Bildungsschwerpunkt Mobilität
Durch zunehmende Mobilität werden Erfahrungsräume erweitert und die selbständige Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erleichtert.
Gemeinsam mit den Schülerinnen und Schüler werden Wegstrecken im nahen Umfeld zu Fuß erkundet. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, die selbstständige Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs zu erlernen. Dazu gehören der Umgang mit Zeit und Uhr, das Lesen von Fahrplänen, das Planen und Realisieren von Fahrten, sowie das Erlernen angemessener Verhaltensweisen auf Bahnsteigen und an Bushaltestellen sowie in den Verkehrsmitteln. Besonderen Wert wird dabei auf das Erarbeiten von Handlungsstrategien bei unvorhergesehenen Ereignissen wie z.B. Verspätungen gelegt.


Bildungsschwerpunkte Wohnen und Freizeit

Im Unterricht der Berufsschulstufe werden unterschiedliche Wohnformen und für das selbständige Wohnen notwendige Kompetenzen thematisiert und teilweise in der Trainingswohnung oder bei Schullandheimaufenthalten praktisch geübt. Die Schülerinnen und Schüler können sich auf diese Weise in ihrer persönlichen Selbstständigkeit erproben und weiterentwickeln.
Durch unterschiedliche freizeitpädagogische Angebote bietet die Schule den Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, ihre Freizeit während des Schulalltags möglichst eigenaktiv, abwechslungsreich und vielfältig zu gestalten. Die Schülerinnen und Schüler der Berufsschulstufe werden angeregt, einen für sich zufriedenstellenden Umgang mit Freizeit zu üben, zu planen und zu organisieren. Sie lernen verschiedene Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung kennen und entwickeln bzw. vertiefen so ihre eigenen Interessen. Sie lernen, sich zwischen verschiedenen Angeboten zu entscheiden und üben, Absprachen mit anderen zu treffen und diese einzuhalten. Übergeordnetes Ziel ist es, die persönlichen Interessen auch außerhalb der Schule zu verfolgen.
Im Schullandheim und bei Aufenthalten in der Trainingswohnung planen und gestalten die Schülerinnen und Schüler ihre Freizeit innerhalb der Gruppe möglichst eigenständig.
Die beschriebenen Bildungsschwerpunkte werden in der Berufsschulstufe u.a. im Klassenunterricht, in Unterrichtsprojekten und an den Praxistagen umgesetzt.

 

Unser Unterrichtsalltag

Der Unterricht in der Berufsschulstufe ist so organisiert, dass klassenübergreifende Unterrichtsarrangements in den Vordergrund treten. Auch die schulische Freizeit wird innerhalb der Berufsschulstufe klassenübergreifend und entsprechend der individuellen Wahl der einzelnen Schülerinnen und Schüler in verschiedenen altersadäquaten Räumen verbracht. Den Schülerinnen und Schüler wird so ermöglicht, sich in verschiedenen Konstellationen mit unterschiedlichen Bezugspersonen zu erfahren und zu erproben. Hierbei wird eine größtmögliche Flexibilität der Schülerinnen und Schüler angestrebt, die den Eintritt in ihren späteren Lebens- und Arbeitsalltag erleichtert.
Die Förderung der Selbständigkeit ist ein wichtiges Unterrichtsprinzip. Der Unterricht in der Berufsschulstufe ist von einer möglichst großen Beteiligung der Jugendlichen an Planung, Durchführung und Reflexion geprägt. Die Schülerinnen und Schüler erhalten verschiedene Übungsfelder, in denen sie  Unterrichtsinhalte selbständig und eigenverantwortlich erarbeiten. Diese Unterrichtsprinzipien und Lernarrangements ermöglichen den Schülerinnen und Schüler ihrem Streben nach Autonomie gerecht zu werden und ihre Identität weiterzuentwickeln.

 

Beispielstundenplan

 

Unterricht im Klassenverband

Kulturtechniken
Im Lernband, das an 4 Tagen pro Woche stattfindet werden auch in der Berufsschulstufe die Kulturtechniken Deutsch und Mathematik unterrichtet. Über dieses spezielle Unterrichtsangebot hinaus gibt es diesbezüglich durchgängige Lernanlässe in allen weiteren Unterrichtsangeboten wie z.B. den Praxisgruppen.


Themenunterricht

Im Klassenunterricht werden u.a. verpflichtende und freiwillige Themen aus dem stufenübergreifend erstellten Profil zum Themenunterricht (TU) vermittelt. Dies sind z.B. Politische Bildung, Pflege und Versorgung, Technische Entwicklungen, Körperlichkeit und Sexualität. Hierzu bleiben die Schülerinnen und Schüler im Klassenverband zusammen und werden von den Lehrkräften des Klassenteams unterrichtet.

 

Klassenübergreifender Unterricht

Praxisgruppen / Lerngruppen
In den Praxisgruppen und Lerngruppen werden vor allem Themen aus den Bereichen Arbeiten, Wohnen und Freizeit (AWF) angeboten bzw. bearbeitet.

Praxisgruppen / Lerngruppen sind z.B.:

  • Catering
  • Dienstleistungen
  • Gartenbau (in Kooperation mit dem "Garten-, Friedhofs- und Forstamt")
  • Holzwerkstatt
  • Textilwerkstatt
  • Kreativwerkstatt
  • Schülerzeitung
  • Mit allen Sinnen
  • Berufliche Orientierung (BEO)
  • Mobilitätstraining
  • Religion / Ethik
  • Sport / Psychomotorik / Schwimmen


Innerhalb der Berufsschulstufenzeit haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten sowie mögliche berufliche Interessen in den unterschiedlichen Lern- und Praxisgruppen zu entwickeln und zu erproben. Bei der Einteilung der Schülerinnen und Schüler wird darauf geachtet, dass entsprechend der individuellen Voraussetzungen und Zielsetzungen möglichst jedes Themengebiet im Laufe der Berufsschulstufenzeit mindestens einmal durchlaufen wird.
Die Praxisgruppen werden entsprechend der Schülerschaft jährlich neu angepasst.

 

Außerunterrichtliche Angebote / Kooperationen

Um eine größtmögliche Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen, haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, an verschiedenen Kooperationen und außerunterrichtlichen Angeboten teilzunehmen. Im Fokus stehen hierbei die Begegnung mit gleichaltrigen Jugendlichen, das Kennenlernen neuer Erfahrungs- und Erprobungsfelder sowie die Stärkung der individuellen Persönlichkeiten.

Dies wird z.B. ermöglicht durch:

  • Teilnahme am Projekt Arbeit (Kooperation der Stuttgarter SBBZen)
  • Schullandheim (teilweise in Kooperation mit dem Wilhelmsgymnasium)
  • Skischullandheim
  • kulturelle Veranstaltungen (z.B. Bach bewegt)
  • sportliche Veranstaltungen (z.B. Schülerinnen und Schüler-Lauf, Fußballprojekt„Pfiff“)
  • gemeinsame Aktivitäten mit umliegenden Schulen
  • Cateringaufträge

 

Die persönliche berufliche Zukunftsplanung

Im ersten Jahr in der Berufsschulstufe üben die Schülerinnen und Schüler in verschiedenen Arbeits- und Praxisgruppen wichtige Arbeitstugenden ein und vertiefen diese in einem ersten Praktikum in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM). Auf der Grundlage dieses Prozesses entwickeln die Schülerinnen und Schüler erste Interessen und Präferenzen bezüglich einzelner Arbeitsfelder.
In den verbleibenden zwei Jahren haben die Schülerinnen und Schüler u.a. innerhalb der einmal jährlich festgelegten Praktikumszeit die Möglichkeit, unterschiedliche Arbeitsfelder in Werkstätten für Menschen mit Behinderung (WfbM) oder ggf. Arbeitsplätze außerhalb der WfbMs kennen zu lernen.
Im letzten Berufsschulstufenjahr findet dann ein zweiwöchiges Praktikum in der von den Schülerinnen und Schüler bevorzugten Arbeitsstätte statt. Darüber hinaus ist es möglich, weitere Praktika in Werkstätten oder auf dem Ersten Arbeitsmarkt zu machen. Schülerinnen und Schüler mit höherem Förderbedarf erhalten im Förder- und Betreuungsbereich der Werkstätten Angebote zur Qualifizierung.
Durch eine enge Verzahnung zwischen schulischer Förderung und den Erfahrungen aus den Praktika sollen die Schülerinnen und Schüler innerhalb der Zeit in der Berufsschulstufe eine möglichst realistische Einschätzung ihrer beruflichen Wünsche und Möglichkeiten entwickeln.
In enger Zusammenarbeit mit den Eltern, dem Jugendlichen und z.B. den entsprechenden Ansprechpartner*innen bei Ämtern und nachschulischen Einrichtungen wird angestrebt, den bestmöglichsten Start in das Berufsleben zu ermöglichen. Zu diesem Zweck findet im letzten Jahr der Berufsschulstufe eine Berufswegekonferenz statt.

 

Zusammenarbeit mit Eltern in der Berufsschulstufe

Für die Eltern der Schülerinnen und Schüler stellt der Wechsel in die Berufsschulstufe oftmals eine neue Herausforderung dar. Eigene Vorstellungen, Erwartungen und Befürchtungen bzgl. des Übergangs ihrer Töchter und Söhne in die „Welt der Erwachsenen“ (Ablöseprozess) und das Leben nach der Schule, sowie die Veränderungsprozesse der Schülerinnen und Schüler führen häufig zu einem Spannungsfeld.
Während der drei Jahre in der Berufsschulstufe setzen sich alle Beteiligten und die Schülerinnen und Schüler selbst erneut mit den Kompetenzen und Grenzen auseinander. Des Weiteren können sich die Eltern umfassend mit den bestehenden beruflichen Möglichkeiten auseinandersetzen und eigene Vorstellungen einbringen, z.B. auch bei der Akquise von Praktikumsplätzen.
Die enge Zusammenarbeit und ein regelmäßiger Austausch zwischen Lehrkräften und Eltern sind u.a. im Prozess der Berufswegeplanung von großer Bedeutung. Bei der Berufswegekonferenz sind Eltern am Entscheidungsprozess maßgeblich beteiligt.

 

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